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leibhaft.de - martin immelmann - Eine Seite für Körperbewußtheit & Körpererleben
leibhaft.de -
martin immelmann
Herzlich willkommen auf meiner neu ausgerichteten Website. Sie erzählt vom Entwicklungsweg, den ich in der Beschäftigung mit der Somatik gerade nehme.
Das somatische Basisjahr an der Somatischen Akademie Berlin (SAB) war eine intensive Reise in die Welt des Leib- Seins. Es hat gehalten, was es versprochen hat: Hilfe und Orientierung im Körper über das verfeinerte körperliche Erleben zu finden. Es tauchten so wundervolle Fragen auf wie : "Möchte eine Bewegung von innen deine Körperwände erreichen?" Oder:
"Kannst du mit deinen Händen diesen Bereich anstrahlen?"
In kunstvoll sich ergänzender Weise wurden wir von den vier DozentInnen kompetent und leidenschaftlich zugleich in acht somatische Methoden eingeführt. Jede dieser Methoden hat ihr eigenes Heilungspotential.
Das gemeinsame praktische Erkunden, Forschen und Probieren nahm weitaus den größten Raum ein, ergänzt durch Informationen, Reflexion und Austausch.
Im Laufe des Basisjahres spannte sich ein bunter Bogen durch die weite Landschaft der Somatik.
Im Rückblick sind für mich nicht genug vorgekommen Ich und Du als sexuelle Wesen und die damit zusammenhängenden, für mich zentralen Themen Kontakt, Nähe, Begegnung und Beziehung.
Darum öffnet sich für mich am Ende des Basisjahres ein neuer Kreis in einen neuen Raum hinein, in den ich als Schatz und Werkzeugkoffer das hier Gelernte und erfahrene als somatische Basis integrieren möchte.
Ich kann auf dieser Basis jetzt weiterforschen an meiner Leitfrage:
Was bringt mich genussvoll in das GANZE Spektrum meines leiblichen Empfindens im Kontakt mit einem Du?
Ich besann mich auf einen früher schon aufgesuchten Ort, das Institut für Somatische Bildung, Sexualität & Körperarbeit, das ISB in Berlin.
Ich besuchte einen Einführungskurs und beginne dort im Dezember die Ausbildung in Sexological Bodywork, einer Kombination aus Körperarbeit und Sexualcoaching.
Meine Motivation:
- Ich möchte helfen, die Ahnungslosigkeit, Unbeholfenheit, Unsicherheit, Scham, die Herabwürdigung, aber auch die durch ihre Tabuisierung entstandene Überhöhung und Vergötterung der Sexualität zu überwinden in unserer Gesellschaft. - Ich möchte eine Neubelebung meiner Sexualität als Natur- Sein. Ich bringe mich in Kontakt mit meiner Urkraft, mit dem, was ich als Wesentlich empfinde. Es ist ein Geschenk, das ich mir selbst mache.
- Andere Menschen einladen, ermutigen, inspirieren, ihr Sexuell sein und damit ihr Natur- Sein zu leben.
- Die Arbeit von Betty Martin mit dem Wheel of consent ist so wertvoll und lässt die Beziehungsqualität signifikant steigen. Allein: Was will ich? Für wen ist es?
Für mich ist SexBod Beziehungsarbeit mit dem Grundwort Ich - Du auch im Sinne der Arbeit von Martin Buber.
- Ich bin sehr dankbar, dass jede Regung in mir sein darf und willkommen ist in dieser Arbeit . Das berührt mich zutiefst und ich fühle mich auf ganzer Linie "rehabilitiert".
- Diese Ausbildung jetzt zu machen fühlt sich so klar, richtig und stimmig an wie selten ein Schritt in meinem Leben.
- Ich freue mich auf einen intensiven Prozess in einer Gruppe und glaube, meinen ganz eigenen, verstetigenden und vermittelnden Beitrag darin leisten zu können. Es fühlt sich an, wie auf eine gemeinsame Reise zu gehen. Da habe ich voll Bock drauf.
Mich hat schon immer interessiert, was wesentlich ist. Arbeit mit der Sexualität ist für mich Beziehungsarbeit im Feld des "Grundwortes Ich und Du" (Martin Buber, Ich und Du), Arbeit mit "der Kraft", mit dem Wesentlichen. Eine Art weltliches Priesteramt. Wesentlich sind - mit allen Urvölkern gemeinsam - alle elementaren Beziehungsvorgänge, die den Leib erregen und ein Erregungsbild in ihm hinterlassen. Wesentlich ist das, was mein wie auch immer geartetes Gegenüber zum blutbewegenden Du macht... In der wechselwirkenden Kraft des Gegenüber vollzieht sich ein Schöpfungsakt innerhalb der Schöpfung. (Martin Buber)
SexBod ist für mich ganzheitliche, damit ausdrücklich somatische Beziehungsarbeit im Feld von Gegenseitigkeit.
Ich möchte Sexualität noch einmal neu spüren, und zwar um ihrer selbst willen als Feiern von Lebendigkeit und Leiblichkeit, ohne Erfolgs- und Leistungsdruck, sprich, IHR einen Orgasmus zu machen. Ich möchte Sexualität erleben als breiten und tiefen Kommunikations- und Energiestrom, der durch mich fließt, alles umfasst und mich mit allem verbindet. Ich möchte Sexualität erleben eingebettet in den kosmischen Schöpfungsakt, der alles hervorbringt und vergehen lässt.
Am meisten nährt mich Berührung und Kontakt und gleichzeitig bin ich damit völlig unterernährt, weil damit immer Partnersschaftsstress verbunden und damit Versagensangst, Scheu und Hilflosigkeit da sind. Und Scham. Ich möchte das freie Reden über Sex lernen. Und meine Angst davor ablegen.
Für mich ist die Erfahrung von Sex eng verknüpft mit einer monoamoren und immer schwierigen heterosexuellen Zweierbeziehung. Ich habe mir immer hohe Hürden aufgebaut, bestimmt auch, damit es nicht zu beängstigend oder zu schön wird. Erfüllender Sex fand für mich in Momenten tiefer Nähe und Vertrautheit statt, was mich auch mit meiner frühen Not in Kontakt brachte. Darin blieb ich immer wieder stecken.
Das Thema Sex und ein sexpositives Umfeld sind für mich schon zeitlebens eine echte Herausforderung. Ich begebe mich gefühlt komplett ins tiefe Wasser. (Wo ich ja evolutionär hingehöre.)
Ich werde wohl mit all meinen Musterungen und Festigkeiten konfrontiert werden und aus meiner Komfortzone geschleudert. In diesem Sinne hat eine Sexbod Ausbildung für mich auch einen selbst- therapeutischen Effekt.
Mich interessiert die Rolle der Sexualität in der Geschichte und deren Folgen an meinem eigenen Leib. Ich möchte den Staub der Geschichte, die Angst und die Scham von meinem Geschlecht spülen.
Meine Vision ist es , in einer sexpositiven Embodyment- Community in der warmen Natur zu leben- weil wir Natur sind.
Freilich habe ich mich über Jahre eingerichtet im Ohneleidenschaftland. Ich könnte einfach so weitermachen. Doch die Einsamkeit und die Lebensbilanz lassen das Beziehungstema und damit das Thema Sexualität nicht zur Ruhe kommen und die Erkenntnis wächst, dass es alleine nicht weitergeht.
Meine Erfahrungen im Somatischen Basisjahr ermutigen mich: Ich kann und ich werde das schaffen.
SEXBOD für mich:
lch möchte sexuelle Bildung zuerst für mich selber.
Anders gesagt, ich möchte mein Innerstes, meine Lebendigkeit wieder spüren, ausdrücken und in Fluss bringen.
Das hat in umfassendem Sinne mit Sexualität zu tun.
Ich möchte mein Innerstes sozial verträglich leben lernen. Anders gesagt, meine intimen Kontakte ohne Schmierigkeit und Klebrigkeit leben lernen.
Mir ist bewußt, dass ich auf diesem Weg noch manches andere antreffen werde:
Schmerz, Trauer, Angst, Scham, Einsamkeit, Sehnsucht ....
Meine Leitfrage: Was bringt mich, dich, uns in das ganze Spektrum meines, deines, unseres leiblichen Empfindens, in die sprudelnde Lebendigkeit ?
- Nichts gegen das haben, was ist.
- Festigkeiten aufspüren und auflösen, Erwartungen, Zwecke und Ziele können auch Festigkeiten sein .
- Interaktion, Begegnung, Beziehung, Nähe mit anderen, vertrauten Menschen. Üben von Vollkontakt durch Ehrliches Mitteilen.
Mich spricht Sexological Bodywork an, weil es eine mutige Pionierarbeit ist. Ich sehe das, was hier passiert, viel größer.
Ich würde mich sehr freuen, Teil einer sehr leibhaften Bewegung für das Leben zu werden.
Wilhelm Reich sah in den Milchstraßen "Embryos, die sich ohne Unterlass dadurch bildeten, das zwei sedene Teilchenströme sich vereinigten und neues Sternenmaterial auswerfen. Das ist nur eine andere Ausdrucksweise dafür, dass die sexuellen Ekstasen des Orgasmus und der Geburt an den Urgrund der Schöpfung heranreichen. Oder umgekehrt: Der Prozess, der im Atomkern abläuft, ist die sexuelle Begegnung in ihrer ursprünglichen Form. Die Leidenschaft, die wir im Liebesakt erleben, ist mit der Entstehung der Sterne und der Sternensysteme unmittelbar verbunden. Deshalb ist dieses Gefühl so stark und deshalb steht es in funktioneller Beziehung mit dem Eintritt der Zellen-Matrix in die Geschichte. Oben am Himmel die spiralig bewegten Milchstraßen - unten die samentragenden Geschöpfe auf den Planeten - es ist ein und dieselbe Schöpfung."
Ich freue mich sehr, dass ich das Glück und das Privileg habe, in meinem Leben noch ein paar Geschenke einzusammeln zu dürfen. Jetzt noch einmal die Chance habe, mich vertieft mit dem, was essentiell ist, zu beschäftigen: mit Sexualität und Beziehungen.
Im Einführungskurs habe ich erlebt, wie Menschen sich in dieser Arbeit auf- und ausrichten können. Allein der geschützte und achtsame, gehaltene Raum für alles, was mit Sex zu tun hat.
Sein, Sinn, Körper und Lebendigkeit fallen zusammen in dem Wort: leibhaft .
Spüren und ausdrücken - das ist die Sonne, um die sich alles drehen darf.
Der Fluss fließt weiter.
Ich bin eigentlich sprühende, spontane, kindliche, unbändige, freudige Lebendigkeit. Doch diese Energie ist meistens umgelenkt, diese Essenz ist überdeckt, festgehalten, gezähmt, gefangen, kulturell überformt. Gebunden mit Stricken der Angst.
Diese Lebendigkeit wieder im Jetzt aufblühen zu lassen, das wünscht sich mein Körperlein zutiefst.
We need to understand consent and feel it in our bones, so stealing and war become impossible.
Betty Martin, The wheel of consent
Es macht einen Unterschied in der welt, ob und wie du dich bewegst , ob und wie du mit dir selbst und anderen verbunden bist oder nicht.
Saftiger Frieden
Unterwegs zu einer Verkörperung von Frieden
Der dürre Frieden
Der dürre Frieden ist der vergeistigte, steife, körperferne, abgehobene, abgetrennte und unverbundene, der akademische, höchstens verhandelte, der angstgesteuerte, letztlich der patriarchale, weiße "Schutz"-friede. Er ignoriert den Leib. Er ignoriert das Sicherheitsbedürfnis des anderen. Er ist identifiziert mit den Strukturen von Macht und Herrschaft, er hat viel zu tun mit partikularen, eigenen, vorgeblichen Sicherheitsinteressen, er ist nur solange regelbasiert, solange man selbst die Regeln macht, er zieht Gewalt auf Kosten von unbeteiligten Menschen und Wesen als Mittel im Konflikt in Betracht. Er scheut nicht zurück vor Mord an Einzelnen und Gruppen von Menschen und dem Einsatz von Waffen. Damit beschwört er die Gefahr einer Eskalation der Gewalt und letztlich des kollektiven Unterganges herauf. Er ist verlogen und nicht auf das Wohl aller ausgerichtet. Er ist am alten Paradigma der Trennung orientiert und muss scheitern.
Nicht in meinem Namen!
Der saftige Frieden
Der saftige Frieden lebt in der Verbundenheit von allen mit allem. Er liebt alles leibliche und schöpft aus den vollen, unerschöpflichen Quellen des Lebendigen. Er dient dem Lebendigen. Er ist weiblich, weich, fließend, liebend, bewegt und bewegend, liebt den Tanz und die Musik. Er setzt auf die Wirkung und die Kraft der Liebe. Er ist riskant, unwägbar, herausfordernd, fragil, verletzlich.
Er kennt und liebt alles natürliche, das polare, das zyklische, das sich unaufhörlich wandelnde, sprunghafte, spontane, unvernünftige, werdende und vergehende, das letztlich unverfügbare und immaterielle Dazwischen des Lebens. Er ist am Wohl aller Wesen interessiert. Er sieht und fühlt sich selbst als Teil des Ganzen und in der Verantwortung für das Ganze.
Er kennt und anerkennt Angst, Trauma, Mangel, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, schafft Wege des guten Umganges damit und arbeitet an der Überwindung von dessen Ursachen.
Gewalt ist hier von Liebe gerahmt und begrenzt auf rituellen Kampf unter Gleichen mit gleichen Mitteln zur Abfuhr von Aggressionen und zum Messen von Kräften.
Berührung und Bewegung - das sind Schlüsselwörter des Wandels, auch des saftigen Friedens, des Salam, des Schalom.
Wie ist Bewegung und Berührung möglich ohne den Leib, meinen und deinen? Garnicht.
Entweder wir verlernen gemeinsam die Erzählung von der Trennung oder wir gehen gemeinsam unter. Der saftige Frieden weiß:
Es geht nur zusammen, national wie international. Persönlich, gesellschaftlich.
Die heutigen Versuche von einer Selbstoptimierung des Körpers durch Technik und Training hin zum gewünschten Ergebnis, auch das Kontrollierenwollen der Körperfunktionen durch Technik wurzelt in unserer jahrhundertealten Tradition der Trennung von Körper und Geist. Sie entsprechen der Seinsweise des Habens.
Letztlich entfernt uns das von unserer Lebendigkeit, Attraktivität und Gesundheit, unserer Natur als Leib, von einer Haltung und Existenzweise des Seins, die gekennzeichnet ist durch Sein lassen, spontane Aktivität, Annahme.
Warum ist es so schwer, uns weltweit gegenseitig als das zu sehen, was wir sind - als EINE Familie von Menschen? Menschen aus Fleisch und Blut, wie du und ich, mit Gefühlen, Bedürfnissen, Träumen, jede ganz einzigartig und unendlich wertvoll ! Mit dem gleichen Recht auf Leben, Entfaltung, Entwicklung und Bildung. Alle Wesen mögen glücklich sein. Lebendigkeit sei. Diese Leitsätze sollten die Politik und die Rechtsprechung weltweit leiten. Ausdrücklich gilt natürlich auch das Recht, unglücklich zu sein. Dies darf jedoch andere Wesen nicht in der Wahrnehmung ihres Strebens nach Glück, Lebendigkeit und Ausdruck beeinträchtigen.
there is nothing but change - and the fear of it
Flammen - Wellen - Lava - Wind – die vier Elemente in Bewegung – sie sind selbst die verkörperte Bewegung , Veränderung, Transformation. Warum fürchten wir so sehr den Wandel, der wir doch selbst in jeder Sekunde sind ?
Es geht im Grunde genommen um wahrnehmen und da-sein-lassen, immer weiter und immer tiefer.
Welches Glück liegt in der intuitiven Bewegung!
Rilke: Unwillkürlich froh sein im Körper, welches Köstlichste!
Ich erlebe schmerzlich an mir selber, wie es sich anfühlt, ich sehe, wie Menschen daran leiden, sehe all-täglich, was in der Welt Verheerendes geschieht, die Tragik, wenn ich mich, wenn sich andere Menschen von diesem Potential, dieser Urkraft, der puren Lebendigkeit - ihrer Körperlichkeit - abgeschnitten haben, die wir sind und dies weiter tun.
Wo zu wohnen? In mir zu wohnen.
Wo ist meines Hingehens? In meinen Körper.
Wo ist meines Bleibens? In meinem Körper.
Wo ist Gewissheit? In meinem Körper.
Wo bist Du? In Deinem Körper.
Unser Körpersein verbindet uns.
Wir sind komplexe Amöben. In jedem Fall vollständig, perfekt.
sein
ja es ist spüren
lange vor den worten
unmittelbares körpererleben
es lassen
die weltformel besteht aus einer muskelbewegung
bauch
ozean der emotionen
riesiges schiff
sturm
angstgetrieben
Unsere Nervensysteme sind weise. Und liebevoll mit uns, gnädig und großartig. Immer schön. Wir sind schnell in einer emotionalen Überwältigung. Wenn wir nicht mehr angemessen agieren oder reagieren können, hilft uns unser Nervensystem, drosselt das Erleben auf das, was wir noch containen, verarbeiten können. Wenn der Plan und der organische Prozess nicht zusammenpassen, dann ist der Plan das Problem. Partnerschaft mit meinem Nervensystem.
Demut. Das ist gleichzeitig ein Blick in das, was mich möglich macht – in die spirituelle Dimension, in die mehr-als- menschliche Welt.
alles ist eins
es gibt nur das ganze
was trennt und teilt
ist bloß illusion
kein maß keine zeit
und keine materie
du bist die welt
körperbewusst
wildgänse
du musst nicht gut sein
du musst nicht auf deinen knien rutschen
hundert meilen durch die wüste und bereuen
du brauchst nur das sanfte tier deines körpers
lieben lassen was es liebt
erzähl mir von verzweiflung von deiner
und ich erzähl dir von meiner
derweil dreht sich die erde weiter
derweil bewegen sich die sonne
und die klaren kiesel des regens über die landschaften
über die steppen und die tiefen wälder
die berge und die flüsse
derweil ziehen die wildgänse
hoch in der klaren blauen luft
wieder nach hause
wer immer du bist egal wie einsam
die welt zeigt sich deiner bildkraft
ruft dich wie die wildgänse rau und erregend
wieder und wieder verkündend
deinen platz
in der familie der dinge
marie olivier
Kritische Somatik
Ein persönlicher Diskurs-Beitrag zur Workshopreihe "Kritische Somatik" an der Somatischen Akademie Berlin
We need to understand consent and feel it in our bones, so stealing and war become impossible.
Betty Martin, The wheel of consent
Es macht einen Unterschied in der Welt, ob und wie du dich bewegst , ob und wie du mit dir selbst und anderen verbunden bist oder nicht.
Aus Ute Gahlings, Phänomenologie weiblicher Leiberfahrungen, in "Dem Erleben auf der Spur, Feminismus und die Philosophie des Leibes"
Zitat:
"Mit der Leiblichkeit rücken Erfahrungen in den Blick, Erlebnisse eines Ich, das
den Körper ‚bewohnt‘, ihn spürt, sich von ihm betreffen lässt, in gewisser Weise
ihm auch ausgeliefert ist.
Die Geschlechtsidentität entfaltet sich an den Achsen von Körper, Leib, Biografie und Diskurs in komplexer Verschränkung von Individuum und Kollektiv. Sie ist beeinflusst von Gender-Kreationen aus allen Bereichen der Gesellschaft, z.B. Kleidungs- und Hygienemaßstäbe, sprachliche Gepflogenheiten, medizinische,
psychologische und andere Wissensformen etc., und konstituiert sich in biografischer Genese, stets bezogen auf die etablierten Identitätszuweisungen für die Geschlechter, also einen intra- und interkulturell höchst variablen Katalog von Verhaltensweisen, Rechtssetzungen, Lebensbedingungen. Dazu gehört der Sexualstatus, durch den individuelle Erfahrungen von Sexualität zugerichtet werden, leibliche Erlebnisse, die sowohl sexed, also physisch, als auch gendered, also sozial vergeschlechtlicht sind.
Jedoch trifft für uns noch genau das zu, was Kant an seiner Zeit kritisierte und wogegen er Autonomie anmahnte, dass wir uns nämlich von allen möglichen Leuten sagen lassen, wie wir unser Leben zu leben haben. So ist die Leibbeziehung bei den meisten Menschen durch natur- und technikwissenschaftliche sowie instrumentalistische Imagos geprägt. Über das, was der Körper ist, was ihm nützt oder schadet und wie er auszusehen hat, lässt man sich durch Expertinnen und Experten belehren. Die von ihnen vorgenommene Vergegenständlichung des Körpers, seiner Teile, sogar unsichtbarer Substanzen evoziert Körperbilder, Arbeitsmodelle und Handelsmärkte, die dann für den Umgang mit dem body übernommen werden. Die leibliche Selbsterfahrung tritt dabei zunehmend in den Hintergrund. Wir lassen uns in hohem Maße fremdbestimmen, nur wird uns das aufgrund unendlich erscheinender Wahlmöglichkeiten gern als Selbstbestimmung, ja sogar Selbstverwirklichung verklärt.
So haben wir es heute mit einem dominierenden Autonomie- und Kreativitätsdogma zu tun. Ob es um die „Lebenskunst des heroischen Individualismus“, um die „Lebenskunst der erweiterten Alltäglichkeit“ oder um das „Selbstmanagement“ in der „kapitalistischen Travestie der Lebenskunst“ geht, unter den Bedingungen der Postmoderne und des globalen Kapitalismus sind wir offenbar „von allen Seiten mit der Zumutung konfrontiert“, „den kulturellen Naturzustand zur Selbstgesetzgebung zu nutzen, sich nach eigenem Bilde zu machen, das Leben in die eigenen Hände zu nehmen, sich Möglichkeiten zu eröffnen, Lebenschancen zu nutzen, sich zu optimieren“.
Es herrscht „Lebenserfolgsdruck“; Scheitern wird als lebensethisches Versagen oder Selbstmanagementfehler abgestraft.
Im Sprachgebrauch wurde der Leib mit Konnotationen wie Leben, lebendige
Person, lebender Körper immer mehr vom Körper verdrängt. Heute hat jeder einen body und ein wissenschaftliches Vokabular für seine Steuerungsinstanzen.
Dennoch kommen wir nicht umhin, diesem Körper gegenüber Stellung zu beziehen, ja mehr noch: dieser Körper selbst zu sein und uns von ihm auch im Zeitalter allseits verfügbarer Schmerz-, Schlaf-, Sex- und Aufputschmittel gelegentlich noch überraschen, jedenfalls betreffen zu lassen. In betroffener Selbstgegebenheit schwindet die Distanz des Menschen zu seinem Körper und tritt der Leib als Quelle von Subjektivität hervor. Die Leibbeziehung konstituiert sich indes als ein fragiles Selbstverhältnis im Hinblick auf den subjektiven, spürbaren Leib, die kreativ-performative Selbstinszenierung als body und die objektivierbare Vergegenständlichung des Körpers.
An der Faktizität des Leibes kommt jedoch kein Entwurf vorbei. Der Leib imponiert durch elementare Dispositionen, die unser gefühltes Dasein maßgeblich prägen und die wir nicht willkürlich regulieren oder selbst entwerfen können. Leiblichkeit ist an Geburtlichkeit, Lebensalter und Sterblichkeit, an komplexe Sinnes-, Bewegungs- und Reaktionsgefüge, an Intersubjektivität gebunden.
Was die Geschlechter angeht, so ist qua Faktizität grundlegend, dass dem Menschen sein Geschlecht ebenso zufällt, wie die Determinanten, die seine Kultur damit verbindet. Im Laufe seines Lebens ist er mit Erfahrungen konfrontiert, die er nicht abweisen oder irgendwie ausblenden kann. Das betrifft die Topografie des geschlechtlichen Leibes und die biografische Genese geschlechtlicher Leiberfahrungen.
Leibsein anstelle von Körperkult
Praktisch geht es im Horizont von Faktizität und Entwurf um die Erschließung eines Erfahrungsspielraums für die Leibbeziehung, um jenseits von Körperkult und Selbstmächtigkeitsansprüchen leibliche Integrität zu bewahren. Dazu sind über feministische Kritik und gesellschaftlichen Widerstand hinaus auch Formen der Selbstkultivierung und der individuellen Verweigerung notwendig. Diese könnten die „leiblich-persönliche Fassung“, die im Leib verankerte persönliche Grundhaltung und Einstellung des Menschen zu dem, was ihm durch Um- und Mitwelt widerfährt, so stärken, dass uns in entscheidenden Momenten nicht nur Mut zur leiblichen Selbsterfahrung, sondern auch Gelassenheit überkommt – eine Gelassenheit, mit der die Abgründe und Schrecken der Existenz sowie auch das Scheitern des autonomen und kreativen Ich gegenüber der Macht des Unverfügbaren hingenommen werden können. "
Zitat Ende
O mein leib, mach aus mir einen fragenden menschen
Umsetzen braucht Umlernen.
Dass der Körper mit eingeladen ist, macht mich friedlicher, offener, entspannt mich.
Gleichzeitigkeit
Woraus generiert sich not-wendiges Handeln? Aus Not.
Wer oder was ruft wen wohin oder wozu?
Somatische Arbeit ist zutiefst Empowerment, und damit gesellschaftlich aktiv. Sie lädt ein in die Körperwahrnehmung und damit befähigt sie zu Beziehungskompetenz, anders gesagt Friedfertigkeit.
Meine Entscheidung für somatische Arbeit und die somatische Perspektive sind eine Antwort und Konsequenz aus meinen vielfältigen Lebenserfahrungen. Für mich ist Menschsein verbunden mit einem andauernden Prozess wachsenden sich seiner selbst bewusst Seins. Mein Privileg ist das Glück, hier und jetzt als männlicher Angehöriger einer weißen Mittelschicht zu leben. Daraus erwächst die Aufgabe, mir dessen bewusst zu sein, und meine Privillegien einzusetzen im Sinne eines guten Lebens für alle. Körperbewusstheit in mein Leben - und damit in die Welt zu bringen ist für mich auch politisches Handeln. Gesellschaftlich, also politisch relevant ist die somatische/Embodyment- Perspektive allemal:
- Einsicht in die Verbundenheit von allem mit allen
- Einsicht in die Einheit von Körper, Geist und Seele
- Lebendigkeit erfahrbar machen
- Gesundheit, Salutogenese, Empowerment als erstrebenswerte Güter
- gemeinsame humanistische Grundlagen
-Ablehnung von Krieg und Gewalt als vermeintliches Mittel der Konfliktlösung
- Wandel als allem zugrunde liegende und in allem wirkende Realität
Die Somatische Akademie Berlin als Körperraum, Bewegungsraum, Spürraum, Forschungsraum, Berührungsraum, Begegnungsraum, Daseinsraum ist daher politischer Raum per se.
Da ist so viel Selbstverunsicherung in der westlichen Welt. Was gesucht wird ist Selbstvergewisserung. Das Selbst für sich und das Selbst für andere in die Verkörperung bringen. Somatische Forschung ist Teil einer Suche nach Selbstvergewisserung und das Geschenk einer Antwort darauf zugleich.
Wir sollten uns vom aktuellen Tagesgeschehen daran erinnern lassen, dass wir als Menschheit gemeinsam mit unserer über Jahrmillionen gewordenen natürlichen Mitwelt an einem historischen Scheideweg stehen, nämlich zwischen Sein und Nichtsein. Nicht mehr und nicht weniger. Wir haben nur noch kurz die Wahl zwischen einer Rückkehr zum Paradigma des Lebendigen* und einer völligen Zerstörung unserer eigenen Lebensgrundlagen und damit dem Ende der gewordenen und uns überkommenen Welt, von der wir ein unlösbarer Teil sind. Die wichtigste Aufgabe besteht also darin, Lebendigkeit neu zu denken und neu zu erzeugen. Was kennzeichnet das Paradigma des Lebendigen? Lebensprozesse respektieren zb. Zyklen, Wandel, in Bewegung sein, Perspektivwechsel vom Ich zum Wir und zurück. Potentialität, Kooperation und Kommunikation, Offenheit, Diversität, Wachstum und Zerfall. Verbundenheit und Bewußtheit, Überwindung von allen Formen gewaltsamer Machtausübung.
*Die Gedanken zu einem Paradigma des Lebendigen sind inspiriert von dem Manifest "Lebendigkeit sei! Für eine Politik des Lebens" von Andreas Weber und Hildegard Kurt, think oya, 2015
Leibhaft auf Reisen
Meine kleine Weltreise von September bis Dezember 2023
USA
Ich bin unterwegs!
Kurzentschlossen bin ich am 6.09. nach Amerika aufgebrochen und erlebe, wie damals, als ich das erste Mal "in den Westen" reisen durfte, dass ich es noch nicht fassen kann. Ich heische nach haptischen, körperlichen Eindrücken, brauche Spürbares.
Mitgebracht neben meinem Rucksack habe ich mein Bündel an Intentionen.
Vom Umgang mit beiden Gepäckstücken habe ich noch keine Ahnung.
Angst reist mit.
Schon sehr nützlich ist mir meine dünne Isomatte als Unterlage für mein morgendliches Kringeln.
Ich bin zu Besuch in Westport , Massechusets, bei meiner Tante, der noch sehr lebendigen älteren Schwester meiner schon lange verstorbenen Mutter. Hier lebt für mich Vergangenes wieder auf und weiter. Die Lebendigkeit hier fühlt sich an wie das gemächliche Dahinfliesen eines Flüsschens.
Körperbewusstheit und Körpererleben sind hier nicht Teil der Kultur. Diseases, Einschränkungen der Körperfunktionen erinnern dezent an die Körperhaftigkeit und damit Vergänglichkeit des Körpers. Die Morgenstunde auf der Dachterrasse im schwülwarmen Dunst oder im oberen Zimmer auf dem Teppich neben den Bücherregalen ist die schönste Stunde des Tages.
You can do what you want - just do it
Unperfektheit ist willkommen.
Welche Route ? Was leitet mich? Erleben. Er-leben.
Mit jeder Armbewegung bin ich frei, ja mit jedem bewussten Atemzug.
Was gemusst werden muss, ist getan....
Ich darf noch ein paar Geschenke einsammeln in diesem Leben.
Alle Zuschreibungen, Erzählungen, Bilder, Kultur usw. weglassen (Filter) und nur noch erleben.
Die Kategorie "du" in all ihren Facetten ausloten. Sie ist zentral für dich, Martin.
Das Fest der Lust. Es ist so schön, es für mich zu feiern.
Das Tischgebet meiner Tante: „Give us greatfull hearts and make us mindful for the needs of others.“
Martin, wohin du auch immer reist - es ändert dich nicht. Was immer du vollständig und unmittelbar leibhaftig erlebst - es ändert dich nachhaltig.
Ein ganz besonder Cocktail aus Widerstand, Anpassung, Verpflichtung und Hingabe, den meine Tante verkörpert.
For me, Inge embodies a very special combination of resistance, obligation and devotion.
Unglaublich, was diese Stadt mit mir macht.
Ich bin in San Francisco!
Bedrückend und faszinierend zugleich, eine faszinierende Kulisse rund um die Stadt, großartige Per-Spektiven, eine sehr diverse Architektur, Grün, Strand, Seeluft, Hafenflair, ganz liebenswürdige Menschen ... und nahe und ganz unmittelbar und ganz massiv, viele tausend Menschen, jung und alt, schwarz und weiß - in unglaublichem menschlichen Elend, Gestank, Armut, Heimatlosigkeit, Krankheit, Drogenabhängigkeit.
Das erste Mal so massiv für dich. Versuche nicht, es irgendwie zu händeln, zu filtern, zu benutzen, zu ändern. Lass es und dich damit da sein, mit allem, was es mit dir macht.
Ich verspüre einen starken Drang, mich mir selbst zuzuwenden und damit verbunden nach einer Ablösung, vor allem emotional von meinen Frauen.
Darum ist auch dein Mitteilungsbedürfnis sehr begrenzt. Es fühlt sich wie früher an, wenn du dir als Teenager deine Freiräume erkämpfen und nehmen musstest. Je weiter weg von zu Hause, desto freier fühltest du dich.
Begeistert bin ich von der wundervollen Natur am mount tamalpais und - von mir selbst.
Die alten Leute hier nehmen sich die Zeit die sie zB. zum Einsteigen und aussteigen brauchen, sie machen nicht auf jung und dynamisch.
Redwoods - die stillen Riesen.
Ich bin in Santa Cruz bei meinem ersten Workaway Gastgeber, der sich hier in den bewaldeten Hügeln am Rande der Stadt eine kleine Oase erschaffen hat.
Eine warmherzige israelische Familie, die in den achtziger Jahren aus Israel hier her ausgewandert ist, abgestoßen von der unmenschlichen Regierung dort in ein Land, wie dessen Ureinwohner finden, mit nicht viel menschlicherer Regierung hier. Es ist schon lange Krieg in Israel. Und jetzt - man versteht sich, man bestärkt, verbündet und hilft sich in Allianzen des Tötens und der Unmenschlichkeit. Es gibt keine guten Waffen, sie bringen alle noch mehr Not und Tod.
Hier in meiner Hütte in den Buckeye Hills taucht die Frage auf, wie ich weiter leben möchte nach meiner Rückkehr nach Deutschland. Wenn ich tatsächlich Ende Dezember zurück komme ist ja mein Sabbatical noch nicht vorbei.
Die klassischen Fragen sind: Arbeit, sprich Geld, Wohnung und Familie. Das soll es aber nicht mehr alleine sein. Das sind Fragen aus dem Mangel - und Überlebensmodus. Der hat uns als Menschheit dahin gebracht wo wir sind und auch viele meiner Entscheidungen beeinflusst. Ich möchte mich nach einem anderen Navigationssystem richten. Ich habe es ja schon auf dem Radarschirm, doch mich ihm ganz anzuvertrauen ist noch ein Stück Weg: Es ist mein Körper. Eine Ganzheit in sich und ungetrennt von der Ganzheit und Fülle des Seins.
In Wirklichkeit ist kein Mangel.
Und Körperbewusstheit als Navigation ist nicht das Rekapitulieren von totem, anatomischem Wissen sondern ein sehr feines, sehr sinnliches Hinspüren, Erleben und Verbundensein mit der warmen, lebendigen Ganzheit unserer Körpersysteme in ihrem Zusammenspiel in Ruhe und in Bewegung.
Nach zwei Tagen Yosemite-Wildnis:
Ich freue mich auf ein warmes Bett und eine Dusche.
Das hat mein Körper Leib verdient. Die letzten Tage waren eine super Herausforderung, bis aufs Äußerte zu gehen.
Wieder in San Francisco. Einen Tag hier geschenkt, weil Abflug 11.55 bedeutet kurz vor Mitternacht. Wenn man nicht aufpasst... Hostel Amsterdam.
Lass mich treiben. Taylor Street, Market Street, Presidio...
So viele Eindrücke legen sich übereinander wie der hauchdünne Filoteig aus Heidis Küche in Mariposa, von dem ich vier Tage in den Bergen gelebt habe.
Diese Ziellosigkeit tut mir gut, ich bin präsent, offen für Eindrücke, Menschen, denen ich für Sekunden begegne. Etwas ist freigeschaltet in mir.
Blicke treffen sich, Szenen schneiden sich in mein Leben:
eine kleine, kurze Person bis auf ein paar lockige goldbraune Haarbüschel eingeschlgen in eine Decke auf dem steinernen Bordsteig an einen Betonblumenkübel gekauert.
Ein Kind? Ein Krüppel?
Andere homelesses erwidern immer wieder meinen Blick, grüßen, wünschen einen schönen Tag. Auf der Market Street kümmern sich aufgeregt mehr oder weniger hilflose Freunde um einen leblosen schwarzen männlichen Körper um dessen Wiederbelebung....
Farmer's market vor dem Presidio, geschäftiges Treiben, eine größere Gruppe behinderter junger Menschen, zum Tanz mit sticks animiert,
eine Gruppe MexikanerInen bei einer kleinen Demo für ihre Landsleute mit Trommel, Feder-Kostüm und Altar für die Toten am Dias Muertes und Blumen. Sie reden und klatschen sich gegenseitig in Rage.
Wohin jetzt? Etwas in mir will ganz bewusst ganz genau denselben Weg zum hostel zurück gehen, noch einmal an den Schauplätzen des Hinweges vorbei. Ob wohl das goldbraune Bündel Mensch noch da liegt?
Der Leblose ist weg, dafür andere homelesses da, ich bin noch präsenter.
Ein homeless man kotzt aus seinem Rollstuhl auf die Straße.
Ja , das Bündel liegt noch da, nur Zentimeter von den Radkappen eines einparkenden Pickups. Ich bin beruhigt: Es atmet!
Bewusst einen Weg zurück gehen heißt der Veränderung ins Auge sehen, die jeder Augenblick bedeutet - unwiederbringlich.
Und es heißt tiefer eintauchen in den jetzigen Moment.
Neues lädt plötzlich zum Verweilen ein: Das städtische Kunstmuseum, vor dem ich schon vor zwei Wochen stand, eine Pizzeria mit Happy hour Angebot....
Nur noch Stunden, bis ich diesen Kontinent verlasse und - immer noch ohne Kreditkarte, hinüber fliege in die nächste neue Welt : Asien
ASIEN
In einem fliegenden Saal über diesen Globus düsen, über das weite Meer, über Fische, Berge, Täler, Bäume, Flüsse, 15 Stunden Nonstop - mit 900 Sachen . Zur Erderwärmung beitragen. Überlegen, ob ich Richtung Westen schneller bin, weil der Globus sich mir entgegen dreht.
Und ob ich mir Sicherheiten in meine Scheidung einbauen lasse.
Doch auch: Alles ist eins, es gibt nur das ganze. Was trennt und teilt ist bloß Illusion. Mit anderen Worten: Aus einer weiteren Perspektive sieht alles anders aus.
Ich bin mit Umsteigen in Taipeh in Phnom Penh angekommen. Es ist heiß hier.
In einem der ärmsten Länder Asiens ist kein einziger Obdachloser zu sehen. Kein Elend . Jeder versucht sich ein kleines Einkommen zu verdienen. Und sei es Schrott sammeln oder mit gebrauchten Fahrzeugteilen zu handeln. Ein kleiner Verschlag zum Handeln mit irgendetwas und im Verschlag oder auch in einer im Tucktuck aufgehängten Hängematte zu schlafen. Oder Lieferfahhrten mit dem Tucktuck zu machen, wenn kein Interessent in der Nähe ist. Man lebt in seinem Laden incl. der ganzen Familie. Auch handfeste Schläge an die unartigen Buben werden hier ausgeteilt.
Im schon in Amerika gebuchten Reisebus bin ich drei Stunden unterwegs nach Süden ans Meer: Kampot: An der Straße über 70 Kilometer entlang Stand an Stand. Es gibt hier gefühlt mehr Händler als Einwohner. Vollständig chaotischer Verkehr.
Jeder macht, was er will. Und es passiert so gut wie nichts.
Alleine reisen ist übrigens mein absoluter Favorit. So entspannt und konflikt-frei geht es für mich nur allein. Keine Spur von allein fühlen!
Und die Wärme hier ist für mich so eine Wohltat, so ein Geschenk an meinen Leib. Das Auge labt sich am üppigen, saftigen Grün. Jetzt könnten die Glocken läuten.
Angekommen. Angekommen?
Im Krankenhaus angekommen. Nach einer unschönen Nacht mit Übelkeit und Erbrechen am frühen Morgen Fieber habe ich Verdacht auf Malaria. Keine Chance, mit meiner Versicherung zu telefonieren.
Ich habe also auf den Tipp meines noch unbekannten Gastgebers hin ein internationales Hospital bei Kampot aufgesucht mit dem gemieteten Moped. Langes Warten auf das Ergebnis der Blutuntersuchung bei an sich sehr hilfsbereitem und geflissentlichem Personal.
Kein Höhenflug mehr, keine Lust, weiter zu reisen, ich möchte nach Hause. Es reicht mir. Was hat mich geritten, hier her in dieses stinkende, heiße Land zu reisen?
Ein Überdruss stellt sich ein am Reisen. Es reicht.
Immerhin keine Malaria, dafür bin ich meinen Pass los, als Pfand für die Krankenhaus-Rechnung, die ich nicht bezahlen kann. Ich lege noch einen Ruhetag in Kampot ein.
Ich fahre mit dem Moped auf der immer noch belebten Schotterpiste raus auf die Pfefferfarm, wo ich unterwegs meine Gleitsichtsonnenbrille verliere. Nach wenigen Minuten merke ich es, kehre um, doch sie ist weg, sie war auch nützlich für andere....
Einfachste Verhältnisse auch hier, mir wird ein Eisenbett in einem Bretterverschlag zugewiesen. Mit Rattendreck auf dem Fußboden. Tote Käfer im Moskitonetz, das Klo 150 m im Laden. Unter mir lebt ein verwitweter Farmarbeiter mit seinen drei kleinen Kindern und einer Katze mit sechs Jungen. Geschrei und Gedudel.
Zudem bin ich auch hier in der somatischen Wüste.
entspann dich
leg ab alles sollen
zuletzt auch das wollen
sonst bleibst du ein sklav
geh in dich und spür dich
entspann und beweg dich
und sei was du bist.
ich bin ein wandrer
reise durchs leben
und durch die welt
im reisen bin ich ich selber
und ich begleite dich gern.
Freiheit ist Fühlen und es nehmen .
Und es ist Wählen.
Not wendet sich selbst.
Bin auf der Pfefferfarm angekommen.
Ich versöhne mich mit meiner Unterkunft. Entdecke dahinter eine kleine Plattform für meine Morgenbewegungen.
Die Rattenkacke in meinem Bretterzimmer erweist sich als eine Schar verstorbener Käfer. Das nächste Klo ist doch nur 10 Meter weit.
Baden im trüben Bewässerungs-Teich der Farm.
Ich gebe Führungen durch die Pfefferfarm in holprigem Englisch und siehe - es geht.
Positive Feedbacks, die Stimmung steigt.
Besuch beim schottischen Chef, ihm zuhören beim kühlen Dosen-Bier im lauwarmen Pool mit spektakulärem Blick auf die im südchinesischen Meer untergehende Sonne.
Ich kann meinen Pass auslösen im Hospital mit geborgten Dollars.
Danach Besuch über abenteuerliche Wege am Beech . Vermüllt, das Wasser trübe, weil der Fluss hier mündet. Ich bin alleine hier. Ein paar hundert Meter weiter finde Ich mit Googles Hilfe eine klare Stelle, lege mich ins flache, warme Wasser, Aaahhh.
Bin immer noch alleine hier.
Will los, finde mein Handy nicht - Panik. Fahre alles mehrmals ab hier - nichts. Verdächtige inzwischen eingetroffene Angler, versuche sie zur Rückgabe des Handys zu bewegen, mit Händen und Füßen. Sie sind betroffen, beginnen, auch zu suchen. Ich bin verzweifelt. Ohne mein letztes Kontakt- und Zahlungsmittel hier kann ich auch sterben. Ich fahre niedergeschlagen ein letztes Mal den Strand ab, rekapituliere alles noch einmal und mir fällt ein, dass das Handy noch im Gurtfach meiner Tasche stecken könnte und - da ist es.
Die Sonne taucht ins Meer.
Ich bin so fertig, kann mich kaum noch freuen. Bedanke mich bei meinen zu Unrecht verdächtigen Helfern und tuckere durch die verräucherte, von Menschen wimmelnde Stadt farmwärts, angesichts des fehlenden GPS Signals verfahre ich mich auch noch im Dunkeln. Lande in slumartigen Ecken am Stadtrand. Muss durch Seen auf den lehmigen Wegen fahren.
Ich habe mich entschieden, Uganda zu canceln, es wird mir zu doll, jetzt noch Africa draufzusetzen dafür habe ich die Schweiz gewählt für den Dezember. In der Nähe von Deutschland.
Mit Geschwisterhilfe habe ich meinen Flug nach Entebbe umgebucht nach Zürich. Reggae Island muss warten. Ein interessanter Mann hat mich eingeladen nach Guggisberg bei Bern und ich freue mich, vermischt mit ein wenig Skepsis ob der Kälte und des Schnees. Was wird mein Körperlein dazu sagen? Noch habe ich eine Woche hier, frei in Kep, am Meer.
Ein Badeort in Kambodscha hat nicht das Geringste mit westlichen Badeorten gemeinsam. Eher erinnert der morbide Charme, Parteiwerbung und Stacheldraht, allgegenwärtiger Müll und Gestank an Verfall, Bonzen- Wirtschaft und Depression in tiefsten Ostzeiten. Am Rande einer offenen großen Hotelrestaurant Halle mit vergilbtem Mitropa Charme spielt eine Gruppe Männer abwechselnd laut und leidenschaftlich Schach. Jeden Tag, wenn ich dort hinkomme, um das gut schmeckende günstige Essen zu genießen.
Wo kann man aufatmen, durchatmen, sich an Natur, Schönheit freuen, an Stille ?
Die Plätze sind rar hier und nicht dort wo du sie vermutet hast.
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Eine Insel. Ein guter Ort zum Abhängen, Durchatmen, sauberes Wasser, Stille. Inselfeeling eben.
Rabbit Island, vor Kep gelegen, eine halbe Stunde Fahrt auf dem hölzernen Motorkahn, angetrieben von zwei ohrenbetäubenden uralten ölenden Schiffsdieseln, gestartet per Kurzschließen von zwei von vielen zur Auswahl stehenden Drähten.
Auf den Inselstrand gelaufen waten durchs Wasser an Land. Nach einem Kilometer Betonweg an Hütten und Buden, einem Steinbruch entlang, einzelne ärmlichste Fischerhütten mit Hühnern, kläffenden Hunden und Verschläge, in denen offensichtlich Menschen leben, kommt etwas die üppig grüne blühende Natur zur Geltung .
Ich finde ein schattiges Plätzchen am plätschernden Wasser für meine neue Hängematte. Aufgehängt über stachligen Blättern und beißenden Ameisen. Baden und Schwimmen im klaren Wasser. Aaahhhh....
Ich entschließe mich nach drei Stunden, um die Insel herum zu wandern mit ein bisschen Robinson Crusoe feeling. Mal direkt am felsig-steinigen Strand entlang, mal durchs tiefe Dickicht führt mein GPS mich weiter, etwas, was man alles andere als Weg nennen kann. Sowie ich ans Ufer komme, häufen sich unendliche Mengen an angespültem Plastikmüll. Mir bleibt nichts als hindurch und darüber zu steigen.
Nur schnell weiter, mein Boot wartet nicht auf mich. Völlig erschöpft erreiche ich den Anlegestrand, ich habe es geschafft.
Waten durchs schritttiefe Wasser und über eine ins Wasser gestellte Holz Leiter klettern ins Boot.
Einer der beiden Diesel springt nicht an, der Bootsmann kann nicht steuern und starten zugleich, das Boot driftet ab. Ich klettere spontan ans Ruder und steuere auf Kurs. Als der Motor läuft, lässt mich der Bootsmann die ganze Überfahrt zurück steuern und macht es sich gemütlich. Ich bin stolz.
ABSCHIED VON CAMBODJA
Vermisse ich eigentlich etwas auf Reisen?
Hab die Frage lieb, Martin. Ich bin. Überall.
Abreisen sind immer auch traurig. Etwas ist vorbei, womit ich mich vertraut gemacht habe in den letzten Wochen: Menschen, Orte, Sonne, Wärme, Grün.
In den letzten Stunden in Kambodscha bin ich mit dem Gefühl unterwegs, als wolle das Land sich mir noch einmal 'intimer' zeigen. Die Fülle an neuen Eindrücken ist zum Teil verarbeitet, der Kulturschock verschüttelt.
Was ist deine Freude beim Reisen durch fremde Länder, Martin?
Abseits der großen Straßen und Attraktionen , nahe am Volk mitfühlend unterwegs zu sein. Durch Winkel und enge Gänge Einblicke erhaschen in das so andere Leben der allermeisten hier. Was du siehst, hörst und riechst in dich hinein zu lassen und zu erleben was es mit dir macht. Freilich bin ich mit meinen Möglichkeiten auch bequem geworden, sitze lieber auf dem Scooter rum als weit zu laufen. Aber hier hängt das ganze Volk auf Hunderttausenden von Scootern...
Und Mutter Erde erstickt schier im Müll.
Arme Mutter Erde. Was bist du geschunden und entstellt. Wie ein Geschwür überzieht dich die Menschheit.
Suche ich die wilde Natur, werde ich unweigerlich zum Eindringling in deine letzten verbliebenen Refugien.
Und vor allem: Wie sind deine Kinder sich selbst fremd!
Schweiz
Ich bin tief eingestiegen in den Schweizer Matsch. Unglaubliche Mengen Regen und Schmelzwasser haben die Hänge der kleinen, überaus schrägen Ein-Mann- Hofgemeinschaft am Bärebach passiert. Mehr als einmal bin ich auf meinem Hinterteil gelandet und ein Stück durch den lehmigen Matsch gerutscht.
Arbeit wäre hier für eine ganze Mannschaft, um es zu einem Lebensort zu machen. Zum Glück stand die einzige Wärmequelle im Haus, der kleine Eisenofen dicht an meinem Bett. Hier konnten Jacke, Schuhe, Socken, Stock und Hut immer wieder trocknen. Und zum Glück waren Speisekammer und Kühlschrank immer gut gefüllt. .
Die Berge sind nah hier. Auch eine Jurte. Und dennoch: Ich möchte so nicht leben.
Wieder zurück
Was bringe ich mit, was sammle ich ein von meiner Reise?
- Ich kehre zurück mit vielen Sinnes- Eindrücken - ich weiß jetzt, wie weich sich verwitterte Zedernholzschindeln in der feuchtwarmen Atlantikluft anfühlen, ich weiß jetzt, wie es ist, im Lake Michigan zu schwimmen. Ich weiß jetzt, wie weit es von A nach B ist in Amerika. Ich weiß wie sich das wundervolle rote Mansanitaholz anfühlt und ein toter Seelöwe. Ich trage die Blicke und Grüße einiger der ungezählten Homelesses in den Städten im Herzen. Und ich weiß jetzt eher, wie es ist, sich mit Stolz und Würde in einem kaputten Land zu bewegen, genauso wie man gerade ist.
Ich weiß jetzt wie frische Kokosmilch schmeckt, Ich weiß jetzt wie es sich anfühlt, wenn es sich auch nachts nicht abkühlt und die Kleidung am nassen Körper klebt. Ich weiß wie unerträglich es in einer Stadt stinken kann und wie man vollständig in Staub eingehüllt auf dem Scooter hemdsärmlig über Nationalstraßen stolpert.
Die Aufzählung ließe sich noch eine Weile fortsetzen. Und was nehme ich noch mit?
- eine neue Vertrautheit mit mir selbst, sprich mit meinem Körperlein. Mit dem Wunder des Körperwesen - Seins mit dem Genügen und Vergnügen an meinem Körper als Ruhepol, Sicherheit, Lustort, Orientierungshilfe, zuverlässiger Freund , mit dem ich durch dick und dünn gehen/fahren kann, und als Warner vor Zuviel in den unglaublichsten Umgebungen und Situationen.
- den Entschluss zu nur noch dem Allernötigsten an fremdbestimmter Erwerbsarbeit, verbunden mit dem Ausbau selbstgesuchter Erwerbsarbeit nach Lust und Laune.
- eine gefühlte größere soziale, mentale Beziehungs-Unabhängigkeit von mir nahen Menschen im Sinne von Ent-strickung - letztlich eine Gesundung.
- Ich bin mir jetzt klarer darüber, dass es weniger auf das Wo meines Lebens ankommt als auf das Wie, dass ich mich eher in körperbewussten Kreisen wohl fühle, da wo ich Raum sehe, mich eingeladen fühle ins körperliche Spüren, Ausdrücken und Forschen.
ENDE
2022
Körperliches Erleben wahrnehmen, ausdrücken, teilen das ist der Kristallisationspunkt, der Kern, Fokus meines neuen Lebens. Ich erfinde mich neu. Dazu stehe ich voll. Das ist der Generator für Kontakt, Sinn, Erfüllung, Lust und Freude. Daran kann man mich in Zukunft erkennen, von mir aus messen. Das wird immer mehr mein Markenzeichen. Da muss nichts mehr Neues dazu kommen, da muss nichts mehr bewiesen werden.
Es braucht nur den Weg der Übung und des mich selbst darin Unterstützens. Dranbleiben und vertrauen.
Interessant für mich: die Schnittstelle von Körper und Geist.
Die moderne Wissenschaft, insbesondere die Quantenphysik, beschenkt uns mit ihren Forschungsergebnissen:
In jedem Moment ist alles vollständig offen, nichts steht fest. Wir sind, alles ist vollumfängliche Potentialität, feuriges Brodeln, sprudelndes Quellen, erschütterndes Beben, wirbelndes Wehen, Beziehung, Prozess. Wir, alles besteht aus Wirks, aus Passierchen, wuseligen, immateriellen Kleinst prozessen. In Wirklichkeit ist nur ein unablässiges Werden und Vergehen, ein ewiges Verschwinden und Erstehen, findet ein andauernder Schöpfungsprozess statt. Materie, die Welt, wie wir sie kennen, ist eher Schlacke, Gerinnsel, Schorf, eher Folge, Ausatmen verkalkter Geist, Asche, Überbleibsel, Gelassenes. Sie existiert nur als EINE Möglichkeit von Billionen von Möglichkeiten. Wirklichkeit ist unteilbar, eine einzige Gestalt. So, wie reines Sein, Lebendigkeit oder Liebe unteilbar sind, ist alles ist mit allem verbunden. Alles, auch wir sind nicht zu trennen von allem, was über, unter, neben uns ist.
In Wirklichkeit bedeutet Stabilität Unlebendigkeit. Lebendigkeit ist unsicher, instabil, riskant. Die sogenannte magische Weltsicht, Meditation, Mythen, Märchen, Visionen, Spüren, Rituale, Gesang, Spiel und Tanz, Kunst, lieben, Herzenswärme, sowie die Poesie kommen der Wirklichkeit um vieles näher als unsere auf falschen Voraussetzungen beruhende und aus dem Zusammenhang gerissene aufgeklärte, kalte, wissenschaftliche, entzauberte, arrogante und überhebliche, moderne westliche Weltsicht. In Wirklichkeit gibt es nichts Abgetrenntes, keine Dualität, keine Zeit, nur Allgegenwart, keine objekthafte Welt, keine von Objekten unterschiedenen Subjekte, keine Räume, nicht einmal Raum, keine Kategorien wie Arten, Paare, Singles, Familien, Mann und Frau, keine Kinder, Rassen, Nationen, Völker, nur Sein. In Wirklichkeit gibt es nur Gestalt, Beziehungsstruktur - ohne materiellen Träger. In Wirklichkeit ist alles Erleben und Erfahren Beziehung, unauflösbar und unteilbar in Dualität wie Subjekt und Objekt, in Ich und Welt. In Wirklichkeit sind belebte und unbelebte Materie ein und dasselbe, ist Lebendigkeit instabile Balance, labiles Schweben. In Wirklichkeit ist das Lebendige immer instabil, unsicher, riskant, ungeheuer verletzbar, immer in Gefahr. In Wirklichkeit sind auch lebendige Strukturen wie Zellen letztlich nur flirrendes Wirken von Billionen mal Billionen immateriellen Kleinstprozessen, "wirks", also auch letztlich Beziehung, Wandel, Geist. In Wirklichkeit gibt es keine Evolution, ist Zukunft fortwährende Kreation, Entfaltung von Potentialität. Alles - selbst die Geschichte ist scheinbar geronnene Möglichkeit. In Wirklichkeit gibt es nur informiert sein, können wir das was ist, nur spontan erleben, ahnen, niemals greifen. In Wirklichkeit ist nichts objektivierbar, ist alles schwammig, unscharf, mehrwertig, dazwischen, unentschieden, schwingend, in Resonanz mit etwas viel umfassenderen. In Wirklichkeit ist auch das festeste in Bewegung, in Fluss, im Wandel.
Als lebendige Organismen als gewahr seiende Leiber haben wir noch eher Zugang zu dieser Tat -Sache , da wir ja das Fließende, die unablässige Veränderung selbst unmittelbar erleben, verkörpern - sind. In Wirklichkeit ist alles offen.
(Frei nach Hans Peter Dürr, Warum es ums Ganze geht)